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#1

Indikation

in Gästebereich 20.11.2019 19:44
von Katha Nullposter | 3 Beiträge | 3 Punkte

Hallo,

ich habe mir vor kurzem einen Therapieplatz gesucht weil ich den Verdacht habe ich könnte Trans sein, allerdings muss ich dazu sagen mir absolut unsicher zu sein! Doch mein Psychologe hat leider gar keine Ahnung vom Thema, wäre aber sofort bereit mir eine Indikation zu schreiben weil er der Meinung ist das sollte jeder selbst entscheiden.

Eigentlich will ich ja auch Hormone, also ist es toll das er es einem so leicht macht. Aber ich denke das der das nicht machen sollte wenn sich jemand so unsicher ist wie ich. Er macht mit mir auch keine Übungen oder Gedankenexperimente die mir helfen könnten heraus zu finden ob ich Trans bin.

Meine Frage an euch ist im Prinzip, was hat euch geholfen euch sicherer zu werden? Gibt es Fragen die ich mir stellen kann oder Gedankenexperimente die mich zu einer Antwort führen? Ich weiß das andere Psychologen definitiv fragen dieser Art auf lager haben.

Auf emotionaler Ebene bin ich mir sicher Trans zu sein, ich habe eine stark ausgeprägte dysphorie auf Grund meines männlichen Körpers, aber ich habe keine soziale dysphorie und auch kein Problem in meiner männlichen Rolle. Vermutlich würde ich nicht mal meinen Kleidungsstil ändern wenn ich hrt mache. Deswegen zweifel ich ganz massiv daran Trans zu sein. Andererseits habe ich die körperliche dysphorie seit der Pubertät und ich bin jetzt über 30 das lässt mich relativ sicher sein das dieses unerträgliche Gefühl nicht von alleine weg gehen wird, im Gegenteil es wird schlimmer! Aber auf sozialer Ebene in der weiblichen Geschlechterrolle zu leben, kann ich mir nicht wirklich vorstellen.

Ich wäre euch wirklich sehr dankbar wenn ihr mir denkanstöße geben könntet, ich bin gerade total verzweifelt! Emotional will ich meinem Psychologen die Indikation geradezu aus der Hand reißen so sehr will ich die! Aber auf kognitiver Ebene denke ich nur das ist ein riesen großer Fehler.
Was ist bei so einer Entscheidung wichtiger? Emotion oder Verstand? Beides wiederspricht sich so massiv :(

Gruß Kathi


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#2

RE: Indikation

in Gästebereich 21.11.2019 11:46
von Kathi74 Kennt sich aus | 244 Beiträge | 348 Punkte

Ich habe Fragen an Dich: Wie sieht Dein Modell der sozialen weiblichen Geschlechterrolle aus? Ich schließe aus Deinen Ausführungen, das Du eine Schornsteinfegerin nicht als weibliche Rolle sehen würdest, einen Erzieher nicht als männlich.
Vielleicht hatte ich den Vorteil in der Ausbildung zur Elektronikerin auch Kolleginnen zu haben...
Die wichtigste Voraussetzung ist es erst mal den Ballast der Vorurteile über Bord zu werfen und unbefangen zu denken, vor allem sich keine Denksperren aufzuerlegen. Die Antwort auf die Frage "was bin ich" findet man nicht, wenn man in sechziger Klisches denkt.
Damit sind wir auch schon bei den Fragen:
"Was bin ich?" ist die Frage, die es zu beantworten gilt. Bei der HRT wird die Frage wichtig: "Wie komme ich damit klar, das ich keinen mehr hoch bekomme und das mir (warscheinlich) Brüste wachsen?" Die HRT ist der erste Point of no Return. die Oberweite wird man nur noch operativ los, wenn sie mal da ist. Man kann nicht mehr so tun als sei nichts.
Kleidungsstil: ich trage oft Hosen und Shirts, da ich gerne Frau bin und meinen Körper mag, halt Figurbetont, aber im Prinzip könnte so ähnlich auch ein Mann rumlaufen. Ich habe letztes Jahr das letzte T-Shirt entsorgt, das ich noch zu Schulzeiten getragen habe, weil es kaputt ging. Ja ich bin stolz darauf, das sich mein Gewicht seit 1995 kaum verändert hat.
Für mich war der Punkt erreicht, als ich zum ersten mal mir den Gedanken "ich bin eine Frau" erlaubte.
Lieben Gruß
Kathi


Ich werde so lange schwarz tragen bis sie etwas dunkleres erfinden
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#3

RE: Indikation

in Gästebereich 21.11.2019 15:18
von Katha Nullposter | 3 Beiträge | 3 Punkte

Soziale- oder Geschlechterrollen sind etwas anderes als Klischees oder Vorurteile. In erster Linie ist das eine kulturelle Sache und dreht sich darum welches Verhalten für eine Person entweder typisch oder sozial akzeptabel ist, natürlich kann man diese Grenzen sprengen, aber das ändert nichts daran das, dass soziale Umfeld bestimmte Dinge als Norm an sieht. Die Gesellschaft hat eine Rollenerwartung an Menschen die einen bestimmten Beruf/Geschlecht/Status etc... haben, deren Rollenverhalten wird als Selbstverständlich angesehen und wenn man dagegen verstößt indem man Normen sprengt, kann sowas auf massive wiederstände stoßen. Natürlich gibt es auch klischees und Vorurteile, die kommen dann leider noch dazu. Aber das ist zu viel Soziologie, darüber könnte man ganze Bücher schreiben und geht am Thema vorbei.
Also Erzieher sind definitiv männlich und Schornsteinfegerinnen sind weiblich, das hat nichts mit Geschlechterrollen zu tun, aber ja es gibt auch eher typischere und eher untypische Berufe für Männer und Frauen, ich arbeite z.B. zu 95% nur mit Frauen, kaum Männer.

Da ich ehh keinen Sex habe, denke ich nicht das keinen hoch bekommen ein Problem darstellen wird, ich weiß es aber nicht! Was ich jedoch weiß ist das ich eine dämpfung der Libido begrüßen würde! Fettumverteilung und ein weiblicheres Gesicht definitiv auch. Auch das Körperhaar belastet mich(doch das könnte man ja theoretisch auch als Mann entfernen) Brüste hätte ich tatsächlich gerne, doch leider kann man sich nicht aussuchen was man bekommt, denn sehr große Brüste würde ich definitiv nicht wollen, die Brüste sind tatsächlisch auch einer der Punkte die mich zurück halten, alle Frauen in meiner Familie haben enorme Brüste, wenn ich nur die Hälfte davon bekomme sind sie immer noch sehr groß.
Was ich definitiv weiß ist, dass ich wäre ich als Frau geboren, nicht über eine Hormontherapie nachdenken würde. Ich denke das heißt schon was. Aber trotzdem sind Hormone keine Entscheidung die man einfach übers Knie brechen sollte.

Die Frage ist aber auch ob man überhaupt eine Wahl hat? Ich meine, wenn man sich selbst also als Mann, nicht mehr ertragen kann, man also wirklich täglich ein unangenehmes Gefühl in sich trägt das einem die Luft nimmt, kann man dann wirklich noch von einer Entscheidung reden? Wenn ich will das dieses Gefühl nicht schlimmer wird oder besser noch weg geht, dann muss ich ja vermutlich die Hormontherapie starten. Ich weiß nicht ob das irgendwie unlogisch klingt, kennt ihr diesen Emotionalen Druck von vor der Hormontherapie, hattet ihr das auch?


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#4

RE: Indikation

in Gästebereich 22.11.2019 09:27
von Kathi74 Kennt sich aus | 244 Beiträge | 348 Punkte

Zitat von Katha im Beitrag #3


Die Frage ist aber auch ob man überhaupt eine Wahl hat? Ich meine, wenn man sich selbst also als Mann, nicht mehr ertragen kann, man also wirklich täglich ein unangenehmes Gefühl in sich trägt das einem die Luft nimmt, kann man dann wirklich noch von einer Entscheidung reden? Wenn ich will das dieses Gefühl nicht schlimmer wird oder besser noch weg geht, dann muss ich ja vermutlich die Hormontherapie starten. Ich weiß nicht ob das irgendwie unlogisch klingt, kennt ihr diesen Emotionalen Druck von vor der Hormontherapie, hattet ihr das auch?



Hier gibst Du Dir selbst eine Antwort. Du siehst Dich als Mann, der mit sich selbst nicht klar kommt. Solange diese Antwort so ausfällt würde ich von einer Hormonbehandlung Abstand nehmen und eventuell andere Ursachen in Betracht ziehen als "Trans*". Hormone haben auch Einfluss auf die Psyche, nicht umsonst wird vor Depressionen als mögliche Nebenwirkung gewarnt.
Für mich war klar, das ich eine Frau bin, die nicht mehr länger schauspielen will. Ich habe das Gefühl gehabt, das die Hormone auf mich antidepressiv gewirkt haben.


Ich werde so lange schwarz tragen bis sie etwas dunkleres erfinden
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#5

RE: Indikation

in Gästebereich 22.11.2019 23:08
von Katha Nullposter | 3 Beiträge | 3 Punkte

Wahrscheinlich habe ich mich undeutlich ausgedrückt. Ich meinte nicht das ich ein Mann bin der mit sich selbst nicht klar kommt, sondern das ich mit dem Leben als Mann nicht klar komme.


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#6

RE: Indikation

in Gästebereich 05.12.2019 20:33
von YVoyce Nullposter | 9 Beiträge | 15 Punkte

Falls Du aus der Nähe von Mönchengladbach, Duisburg, Krefeld oder Düsseldorf kommst, kann ich Dir diese Selbsthilfegruppe empfehlen:

https://www.aidshilfe-mg.de/index.php/an...t-iq/akzeptrans

Solltest Du von anderswo her sein, so google einfach mal nach: Transsexuellen Selbsthilfe -Ortname-


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